Leselaunen März 2020 | Kirschblüten und #StayAtHome

Abgebrochener Urlaub, Ausgangsbeschränkungen und Homeoffice: Der März war turbulent, aber brachte viel Lesezeit auf der heimischen Couch.

Leselaunen März 2020
Trotz der Ausgangsbeschränkungen kann man in Dresden noch wunderbar spazieren gehen. Diese Gänseblümchen stehen schon in voller Blüte. Kirschblüten gab’s auch schon.

Die Leselaunen sind eine Aktion von Trallafittibooks. Ich nehme am Ende jedes Monats teil und schreibe hier über die vergangenen Buch- und Filmwochen.

Aktuelles Buch

Barracoon“ Zora Neale Hurston – Die Anthropologin und Schriftstellerin befragte 1927 den damals 86-Jährigen Oluale Kossola über sein Leben. Er war aus Afrika verschleppt und mit dem letzten Sklavenschiff in die USA gebracht worden. Die Aufzeichnungen wurden vor Kurzem erstmals veröffentlicht und sind jetzt auch auf Deutsch erschienen.

Momentane Leselaune

Super! Die zwei Wochen Urlaub habe ich mit Lesen verbracht. Nach den Seereisen im letzten Monat (Die Schatzinsel, Gullivers Reisen und Manapouri) bin ich in diesem Monat vor allem ins mittelalterliche Spanien vorgedrungen. „Alhambra“ von Kirsten Boie ist ein Zeitreise-Jugendbuch ins Granada zur Zeit der Reconquista 1492. Darauf folgte der Wälzer „Die Pfeiler des Glaubens“ von Ildefonso Falcones, der an der im 16./17. Jahrhundert in Andalusien spielt. Es folgte ein kurzer Blick übers Meer mit Schillers „Maria Stuart“, das die Situation zu jener Zeit in England beleuchtet. Schließlich habe ich dann noch mit „Die Jüdin von Toledo“ von Lion Feuchtwanger begonnen, um die Sache rund zu machen.

Feuchtwanger habe ich jetzt unterbrochen, um den Thriller „Scheintod“ der schwedischen Autorin Louise Boije af Gennäs einzuschieben. Den habe ich fast in einem Rutsch durchgelesen, so spannend war er. Besprechung folgt!

Zitat des Monats

„Ich bin besser als mein Ruf.“

Maria in: Friedrich Schiller, Maria Stuart, III, 4.

Maria Stuart

Diese Beiträge sind im letzten Monat online gegangen

Ildefonso Falcones – Die Pfeiler des Glaubens [historischer Roman, Besprechung]

Indiebookday 2020 – acht tolle Bücher aus unabhängigen Verlagen [gesammelte Buchtipps]

Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel (1881/82) [Besprechung]

Das Beste aus einem Jahr #WirlesenFrauen [gesammelte Buchtipps]

Jonathan Swift: Gullivers Reisen (1726) [Besprechung]

Daphne du Maurier: Rebecca (1938) [Besprechung zur Leserunde]

Filme

Midsommar ist ganz und gar ungewöhnlicher Horrorfilm – insbesondere, weil alles so furchtbar hell und freundlich aussieht. Zum Gruseln ist er trotzdem. Weiterer Pluspunkt: Die Hauptrolle spielt die wunderbare Florence Pugh, die der eine oder die andere vielleicht auch aus „Little Women“ in der Rolle der Amy kennt. (Hier geht’s zu meinem Eindruck von „Little Women“) und hier zu einer spoilerfreien Besprechung bei Miss Booleana.

Prinzessin Mononoke – darüber, dass dieser und viele andere Anime-Klassiker aus dem Ghibli-Studio jetzt bei Netflix verfügbar sind, habe ich mich sehr gefreut. Der Film erzählt eine Geschichte von Menschlichkeit, Umweltzerstörung und einer ungewöhnlichen Liebe und ist enorm gut gealtert. Immer noch sehr sehenswert, auch für alle, die sonst keine Freunde des Genres sind.

Parasite gewann als erste fremdsprachige Produktion in der Geschichte der Oscarverleihung den Preis in der Kategorie „Bester Film des Jahres“. Der südkoreanische Film erzählt die Geschichte einer armen Familie, die nach und nach das Leben ihrer privilegierten Arbeitgeber übernimmt. Ein überraschender und ganz und gar sehenswerter Genremix aus Komödie, Gesellschaftsdrama und Thriller. Hier geht’s zu einer spoilerfreien Besprechung bei Miss Booleana.

Knights of Badassdom – nach meinem eigenen Ausflug ins Pen-und-Paper-Universum konnte ich mich herrlich über diese LARP (Live Action Role Playing)-Horrorkomödie amüsieren. Und Peter Dinklage im Mittelalter-Kostüm kennt man ja auch schon. 😉

Joker – Der Joker aus Batman hat – nicht zuletzt durch den Suicide Squat – in letzter Zeit ja viel Aufmerksamkeit erfahren. Aber die Ernsthaftigkeit dieses Films und die großartige Charakterentwicklung mit einem alle Grenzen überschreitenden Joaquin Phoenix hat mich schon umgehauen. Für Comic-Fans garantiert ein Muss und darüber hinaus als Charakterdrama überaus empfehlenswert. Hier geht’s zu einer sehr ausführlichen Besprechung bei Hemator.

Ginster
Serien

Band of Brothers – Wir waren wie Brüder ist eine zehnteilige HBO-Serie aus dem Jahr 2001, die den zweiten Weltkrieg ab der Landung in der Normandie aus der Perspektive US-amerikanischer Soldaten erzählt. Abgesehen von der pathetischen Musik am Anfang und Ende empfand ich die Darstellung des Krieges als sehr gelungen. Hier herrscht, anders als der Name der Serie vermuten lässt, wenig Wille zur Romantisierung und viele Szenen sind für den Zuschauer nur schwer erträglich. Anders als Heldendramen, die eine einzige Figur in den Mittelpunkt stellen, erzählt „Band of Brothers“ die Kriegsereignisse aus der Perspektive verschiedener – gleichermaßen unscheinbarer – Soldaten. Das stellte die Grausamkeit des Krieges für alle Betroffenen in den Vordergrund und nicht den Mut des Einzelnen. Insgesamt hat mir die Serie gut gefallen, auch, wenn sie wirklich nichts für zwischendurch ist.

Unorthodox. Was habe ich auf diese vierteilige Miniserie hin gefiebert. Über ein Interesse an abgeschotteten religiösen Gemeinschaften (einen Eindruck geben die Bücher Befreit, Die Geschichte der Wölfe oder Die Romanleserin) war ich 2016 auf den Roman Unorthodox (hier geht’s zur Besprechung) aufmerksam geworden. Nachdem ich die Gelegenheit hatte, die Autorin Deborah Feldman auf einer Lesung persönlich kennen zu lernen und auch den Nachfolgeband „Überbitten“ gelesen hatte, konnte ich es kaum erwarten, die Geschichte auf dem Bildschirm zu sehen. Ich hatte große Erwartungen – und sie wurden fast rundum erfüllt. Ein Großteil der Serie ist in jiddischer Sprache gedreht und auf Authentizität wurde großer Wert gelegt. Zwar erschienen die Bilder stellenweise wie einem Werbefilm für Berlin entsprungen, aber das ist schnell verziehen, denn die Geschichte ist in sich stimmig, packend und die Schauspieler sind ausgezeichnet. Eine große Empfehlung sowohl für den Roman als auch die Netflix-Serie.

Und sonst so?

Viele Filme, viele Bücher – wenn die Ausgangsbeschränkungen anhalten, wird das in den nächsten Wochen wohl so weitergehen. Obwohl ich immer noch täglich die Entwicklungen zur Corona-Pandemie verfolge, freue ich mich, dass in meiner Internetblase jetzt wieder vermehrt andere Themen besprochen werden.

Wie geht es euch; macht euch die Situation sehr zu schaffen? Habt ihr die Zeit genutzt, um neue Bücher, Filme oder Serien zu entdecken? Was könnt ihr empfehlen?

Alles Gute für euch im neuen Monat!
Letzte Leselaunen

Februar 2020 – Abenteuergeschichten und Krankenlager

Januar 2020 – Die besten Bücher 2019 und die Little Women

November 2019 – Fangirl und Lebkuchenmarkt

6 Gedanken zu „Leselaunen März 2020 | Kirschblüten und #StayAtHome

  1. Midsommar muss ich jetzt auch endlich mal anschauen. Da freue ich mich schon länger drauf.

    Parasite habe ich vor wenigen Tagen gesehen. Klar, ein guter und interessanter Film, aber umgehauen hat er mich jetzt nicht unbedingt.

    Knights of Badassdom ist wirklich witzig!

    Band of Brothers will ich auch schon seit Ewigkeiten sehen. Wird mal Zeit. Gibt es nicht noch eine Folgeserie, die den Pazifikkrieg thematisiert? Muss ich noch mal recherchieren.

    Schöne Grüße aus Aachen

    Michael

    1. Ich sehe, wir haben einen ähnlichen Filmgeschmack!

      Bei „Parasite“ haben mich weniger die Schock-Elemente fasziniert (aber die kamen ziemlich unerwartet, hatte zuvor nichts über den Film gelesen und wurde kalt erwischt), sondern die gesellschaftskritische Komponente. Ich hatte bislang noch nie einen Film oder eine Serie aus Südkorea gesehen, die Armut und Arbeitslosigkeit derart offen thematisiert. Allerdings sind meine Erfahrungen mit südkoreanischen Filmen auch sehr begrenzt.

      Ja, nach „Band of Brothers“ kam 2010 die zehnteilige Miniserie „The Pacific“. Ich hatte ganz kurz – wirklich nur ganz kurz – überlegt, da mal reinzuschauen. Aber nach zehn Teilen Zweiter Weltkrieg brauchte ich mal eine Pause und was Leichteres. Habe dann mit „The Handmaid’s Tale“ angefangen, aber „was Leichteres“ ist das auch nicht, wie ich nach der ersten Folge festgestellt hab. Komisch, das Buch habe ich gar nicht als so bedrückend in Erinnerung.

      Ich habe mich zuletzt mit einer Bekannten über LARP unterhalten. Sie war auf einem polnischen Schloss bei einem riesigen Harry Potter-LARP dabei. Aber das hörte sich so abgefahren an, dass ich mich lieber erstmal über Pen-und-Paper in die ganze Szene reintasten will.

      Viele Grüße aus Dresden!

      Jana

  2. Vielen Dank für die mehrfachen Verlinkungen – und natürlich die Eindrücke in deinem Blog. Die Leselaunen lese ich immer sehr gern mit!
    Und oh yeah, noch ein Florence Pugh Fan 😀
    Bleib gesund!

  3. Wunderbare Buch- und Filmempfehlungen, vielen Dank – gerade jetzt sehr anregend und hilfreich. Die Miniserie „Unorthodox“ habe ich als erstes angesehen. Das wurde dann eine lange Nacht, ich konnte einfach nicht aufhören … Sehr spannend, sehr interessant, sehr gute Darsteller – und unfassbar, wie ein so abgeschottetes und extrem reglementiertes Leben der chassidischen Gemeinde in Williamsburg, in New York!, möglich ist. Durchgehender Gedanke beim Anschauen: Was für eine starke und mutige kleine Frau. — Sehr sehenswerter Film. Das Buch lese ich demnächst.
    Der nächste Film wird vermutlich „Knights of Badassdom“, bin gespannt.

    1. Liebe Barbara,

      danke für deinen Kommentar! „Unorthodox“ habe ich auch in einem Rutsch gesehen und mich dann noch über das unerwartete Making-Of gefreut. Ein Film, der auch in der chassidischen Community (allerdings in Israel) spielt, ist „Fill the Void“. Den möchte ich demnächst auch unbedingt noch sehen.

      Vielleicht gefällt dir auch „Befreit“ von Tara Westover. Das ist eine ganz tolle, außergewöhnliche Geschichte einer jungen Frau, die aus ihrer mormonischen Gemeinde flieht und eine beeindruckende Uni-Karriere hinlegt – ohne jemals eine reguläre Schule besucht zu haben. Spielt auch in den heutigen USA und ich war erstaunt, dass sich dort in der heutigen Zeit noch so eine Geschichte zutragen kann.
      https://www.wissenstagebuch.com/2018/11/07/tara-westover-befreit-wie-bildung-mir-die-welt-erschloss-2018/

      Viele Grüße!

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