Monatsrückblick Mai 2020 | Little Fires Everywhere und lateinamerikanische Literatur

Im Monatsrückblick Mai 2020 gibt es wegen einiger Regentage mehr Serien und Filme als sonst, aber natürlich musste auch der Bücherwurm nicht hungern.

Monatsrückblick Mai 2020

Die Leselaunen sind eine Aktion von Trallafittibooks. Ich nehme am Ende jedes Monats teil und schreibe hier über die vergangenen Buch- und Filmwochen.

Aktuelles Buch

20.000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne – Das Buch lese ich zum zweiten Mal und nach „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ merke ich, dass mich Jules Verne immer noch wunderbar unterhält. Die Reise auf der Nautilus mache ich gemeinsam mit anderen LeserInnen auf Twitter unter #AufDerNautilus. Miss Booleana hat auf ihrem Blog eine Ankündigung zur Leserunde veröffentlicht.

Momentane Leselaune

Gut! Nach Herta Müllers „Atemschaukel“ war ich allerdings kurzzeitig so deprimiert, dass ich etwas ganz Neues brauchte. Deshalb habe ich mich zum ersten Mal für einen Selfpublisher-Fantasy-Roman entschieden und war von Uwe Eckardts Sammelband „Die Saat des weißen Drachen“ positiv überrascht.

Zitat des Monats

„Ich wusste zu gut, es gibt ein inneres Gesetz, wonach man mit dem Weinen nie anfangen darf, wenn man zu viele Gründe hat.“

                                                                                                    Herta Müller, Atemschaukel

Durch das Zitat bekommt man gleich den richtigen Eindruck von der Stimmung, die das Buch prägt. Trotzdem eine unbedingte Empfehlung!

Diese Beiträge sind im letzten Monat online gegangen

Bist du ein Buch-Snob? [Booktag – Einladung zum Mitmachen]

Nana Kwame Adjei-Brenyah: Friday Black. Storys (2020) [Kurzgeschichten über den Rassismus gegenüber schwarzen US-Amerikanern – leider nicht nur in diesem Monat der Polizeigewalt dort erschreckend aktuell]

Herta Müller: Atemschaukel (2009) [Besprechung]

Filme

One of Us (2017) ist ein dokumentarischer Film, der das Leben dreier Aussteiger aus der chassidischen Satmarer Gemeinde in New York beleuchtet. Die Gemeinde erhielt ja zuletzt durch Deborah Feldmans Roman „Unorthodox“ und die gleichnamige Miniserie eine Menge Aufmerksamkeit. Die Methoden, mit denen ehemalige Mitglieder verfolgt und vor Gericht in Sorgerechtsprozessen diskreditiert werden, sind schon ein starkes Stück und haben enorme psychische Auswirkungen auf die Aussteiger, von denen nicht wenige Suizidversuche hinter sich haben und/oder mit Substanzmissbrauch kämpfen. Eine Empfehlung für alle, die ein bisschen tiefer in die Geschichte hinter „Unorthodox“ einsteigen wollen.

 

In BlacKkKlansman ermittelt der schwarze Polizist Ron Stallworth verdeckt mit einem weißen Kollegen in der örtlichen Gruppe des rassistischen Geheimbundes Ku-Klux-Klan (KKK). Der Film basiert auf Stallworths Memoiren und ist eine fantastische Mischung zwischen Polizeifilm und Komödie, die dann mit sehr eindringlichem Originalfilmmaterial von den Ereignissen in Charlottesville endet. Eine unbedingte Empfehlung.

 

Carrie Pilby ist eine typische rom-com. Die Protagonistin ist eine hochbegabte 19-jährige Britin, die nach ihrem Harvard-Abschluss nicht viel mit sich anzufangen weiß und in New York langsam lernt, mit den Menschen um sich herum klarzukommen. Am Ende gibt’s natürlich ein Happy End. Der Film hat mich auf das Salinger-Buch „Franny und Zooey“ aufmerksam gemacht. Damals war ich großer Fan vom „Fänger im Roggen“, deshalb ist das Buch gleich auf die Wunschliste gewandert.

Serien

Little Fires Everywhere (Kleine Feuer überall) nach dem gleichnamigen Roman von Celeste Ng ist in diesem Monat angelaufen. Die abgeschlossene Miniserie behandelt das Leben der ungleichen Frauen Mia und Elena vor der Kulisse der unheimlich perfekten Kleinstadt Shaker Heights in Ohio, in der auch die Autorin aufgewachsen ist. Die beiden haben Teenagerkinder und am Ende brennt der altehrwürdige Familiensitz von Elenas Familie. Dazwischen liegt eine Menge Drama.

Die Serie hat mir gut gefallen, sie war spannend und griff wichtige Themen wie unterschwelligen Rassismus, falsch verstandenen Altruismus und übertriebene mütterliche Fürsorge auf. Aber gegen Ende wurde es mir doch zu melodramatisch. Gern gesehen habe ich insgesamt die Performances von Mia (Kerry Washington) und Elena (Reese Witherspoon).

 

Never Have I Ever (Noch nie in meinem Leben…) – an die auf den ersten Blick typische Highschool/Coming-of-Age-Netflix-Serie hatte ich gar keine hohen Erwartungen und wurde sehr positiv überrascht. Die Serie macht unheimlich viel richtig. Sie gibt Einblicke in eine indisch-amerikanische Gemeinde und zeigt, wie schwierig verschiedene kulturelle Identitäten miteinander zu vereinbaren sein können. Es geht um Trauer nach dem Verlust eines Elternteils, arrangierte Ehen, Bildung, (sexuelle) Selbstbestimmung und Behinderung. Was sich hier wie eine traurige Aufzählung liest, wird mit viel Witz behandelt, ohne je albern zu sein. Als Erzähler machen sowohl der ehemalige John McEnroe als auch Andy Samberg (Brooklyn Nine-Nine) eine richtig gute Figur und der Schauspieler-Cast leistet insgesamt richtig gute Arbeit. Am besten gefallen hat mir, wie die Serie den Ton ihres Publikums absolut zielsicher trifft. Eine popkulturelle Anspielung folgt auf die andere und man kommt aus dem Grinsen nur schwer wieder heraus.

Hier geht’s zu einer Besprechung bei Medienwelten.

Und sonst so?

Ich habe beim Eichborn Verlag die dort aufgelegte Reportage von Bernard von Brentano über seine Reise durch die Weimarer Republik gewonnen! Ich bin gespannt auf die Stimmung, die Brentano einfängt und inwiefern deutlich wird, was die Menschen scharenweise in die Arme der NSDAP getrieben hat. Hier geht’s zum Buch auf der Verlagsseite.

Der Beginn der Barberei in Deutschland

Unabhängig davon gab’s einen Book Haul hauptsächlich lateinamerikanischer Literatur. Nach der Lektüre von Michi Strausfelds Sachbuch „Gelbe Schmetterlinge und die Herren Diktatoren“ habe ich eine sehr lange Wunschliste mit lateinamerikanischen Büchern zusammengetragen und freue mich, den gebrauchten Schätzen einen Platz im Regal frei zu räumen.

Alles Gute für euch im neuen Monat!
Die letzten Monatsrückblicke

April 2020 | Sailor Moon und Wolkenbruch

März 2020 | Kirschblüten und #StayAtHome

Februar 2020 – Abenteuergeschichten und Krankenlager

3 Gedanken zu „Monatsrückblick Mai 2020 | Little Fires Everywhere und lateinamerikanische Literatur

  1. Ach spannend! Um „Little Fires Everywhere“ tanze ich auch schon etwas länger rum. Aber mir hat Big Little Lies so-so gefallen. Einerseits fand ich die Geschichten von zwei der Frauen unendlich spannend, die um Reese Whiterspoons Charakter dort nur unheimlich anstrengend. Die gute Reese hat das mit LFE ganz gut angestellt. Kennst du ihren Buchclub? Da liest sie viel und sichert sich direkt die Buchrechte, um das ganze dann zu produzieren und wie hier sogar selber in die Rollen zu schlüpfen …
    Ist LFE irgendwie mit Big Little Lies zu vergleichen? Mal abgesehen von ihrer Beteiligung? 😉 Jetzt hast du mich ja neugierig gemacht … kann wohl nicht lange dauern bis ich die Serie schaue.

    Vielen Dank übrigens für die Verlinkung. 😀

    1. Reese Whiterspoon fand ich in Big Little Lies auch unheimlich anstrengend, dafür andere Geschichten umso spannender (Celeste!). Bei Little Fires Everywhere geht es um nur zwei erwachsene Frauen (die ich beide auf ihre Art unsympathisch fand); Witherspoon ist weit weniger anstrengend und redet auch langsamer 😉 als in BLL. Der Fokus liegt auch auf den Beziehungen der Teenager untereinander und es ist spannend zu sehen, wie sich zwei Familien immer mehr miteinander verflechten, nur um dann unterzugehen. In der Serie hat Witherspoon auch einen Buchclub. 😊

      Die Serien sind schon streckenweise vergleichbar: Weibliche Hauptrollen, die die Geschichte tragen, in beiden geht es um Mutterschaft und die Probleme, beide spielen in privilegierten Gesellschaftsschichten und in beiden wird das reflektiert. Schau doch mal rein; ich bin gespannt, was du sagst!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

* Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben
%d Bloggern gefällt das: