Monatsrückblick Juni 2020 | Leseflaute, Systemsprenger und Sex Education

In Dresden herrscht sommerliche Hitze bei voller Elbe. Das Examen rückt näher und meine Lesezeit hat sich drastisch reduziert.

Monatsrückblick Juni 2020
Der Rhododendronpark in Wachau/Dresden ist zwar nicht so bekannt wie jener am Schloss Pillnitz, doch insbesondere im April/Mai einen Besuch wert.

Die Leselaunen sind eine Aktion von Trallafittibooks. Ich nehme am Ende jedes Monats (heute ein wenig später) teil und schreibe hier über die vergangenen Buch- und Filmwochen.

Aktuelles Buch

Roots – Wurzeln“ von Alex Haley über die Geschichte seiner Familie. Der erste Teil des Buches begleitet den jungen Kunta Kinte, der in im 18. Jahrhundert in Gambia aufwächst, bis er gekidnappt und als Sklave in die nordamerikanischen Kolonien Englands verkauft wird. Ich habe derzeit etwa die Hälfte des Buches hinter mir und bin begeistert von der Eindrücklichkeit, mit der es Haley gelingt, das Leben in Afrika zu schildern. Die Kapitel über die Versklavung lesen sich aufgrund des Könnens des Autors dann gleich noch einmal furchtbarer.

Momentane Leselaune

Nicht gut. Obwohl das Zweite Staatsexamen erst Anfang Dezember ansteht, habe ich schon jetzt das Gefühl, im langen Endspurt zu sein. Im Moment fällt die Belletristik leider meinen Lernskripten und den neuesten Gerichtsentscheidungen zum Opfer. Auf dem Blog wird es aller Voraussicht nach deshalb erstmal ein wenig ruhiger.

Zitat des Monats

„Dieser Junge war dreißig Jahr alt, und seines Herrn Alter verhielt sich zu diesem, wie zwanzig zu fünfzehn.“

Jules Verne, 20.000 Meilen unter dem Meer

Vielleicht sollte ich auch mal damit beginnen, mein Alter als Mathematikaufgabe anzugeben…

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Diese Beiträge sind im letzten Monat online gegangen

[TAG] Das hätte dieses Buch absolut nicht gebraucht!

Marcel Schwob: Manapouri. Reise nach Samoa 1901/1902 (2017) [Reisebericht, Besprechung]

Madeline Miller: Das Lied des Achill (2011/2020) [Besprechung]

Filme

Systemsprenger wird als anstrengender, aufwühlender Film beworben – und das ganz zu Recht. Der Film erzählt die Geschichte des zehnjährigen Mädchens Benni, das aufgrund starker Aggressionen und gewalttätigen Verhaltens von einer Jugendhilfeeinrichtung an die nächste weitergereicht wird und doch nirgendwo bleiben kann. Sie fällt durchs Raster der deutschen Jugendhilfe und sprengt das System.

Trotz der bewegenden Geschichte wurde ich mit den Figuren im Film nicht warm. Die meisten fand ich unsympathisch, anmaßend oder schlicht abstoßend. Trotzdem ein Film, den man gesehen haben kann. Allerdings ist er nichts für einen gemütlichen Filmabend. Eine ausführliche Besprechung gibt’s auf dem Blog Filmlichtung.

 

Crazy Rich Asians war ein richtiger Wohlfühlfilm mit Einblicken in die High Society Singapurs. Auch wenn der Film sich hin und wieder an feministischen Anklängen versuchte (Ich bin Wirtschaftsprofessorin, wen interessiert es da, was für ein Kleid ich trage? Antwort: Alle!) und kurz auf Systemunterschiede hinwies (Wir sind eine chinesische Familie. Anders als bei euch Amerikanern zählt nicht nur das persönliche Glück.) blieb er insgesamt doch an der Oberfläche. Das Ende – Happy End, so viel sei verraten – kam dann reichlich platt daher, indem es alle zuvor aufgeworfenen Fragen schlicht ignorierte. Ein romantischer Heiratsantrag wischt wohl jegliche Bedenken bzgl. eines Umzugs ans andere Ende der Welt weg.

 

Nur die halbe Geschichte (Originaltitel: The Half of It) ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die mich durch ihr Setting in der kanadischen Provinz und die ungewöhnlichen Charaktere überrascht hat. Jetzt möchte ich bei Gelegenheit die Geschichte von Cyrano de Bergerac, an welche der Film angelehnt sein soll, lesen. Eine Kurzbesprechung gibt’s im Online-Magazin .divers.

 

Japan – Land der fünf Elemente ist eine Dokumentation mit wunderschönen Naturaufnahmen und Drohnenbildern aus Japan. Besonders gefallen hat mir, dass viele persönliche Geschichten von Menschen allen Alters erzählt werden, die alte Traditionen pflegen. So begleitet der Film u. a. eine junge Karateschülerin, einen alten Schmied traditioneller Samurai-Schwerter und eine junge Frau, die sich in Kyoto darauf vorbereitet, Geisha zu werden. Die Dokumentation ist noch bis zum 1. Oktober 2020 in der Arte-Mediathek abrufbar.

Serien

Sex Education ist eine Serie, von der ich mir absolut nicht viel versprochen habe und die mich dann schlicht begeistert hat. Erwartet hatte ich peinliche Albernheiten rund ums Erwachsenwerden, weshalb auch erstmal ein kurzer Blick auf die ersten Folgen geplant war. Es wurden dann lange Abende mit beiden Staffeln, die in puncto Erzähltechnik, Diversität und Humor alles richtigmachen. Eine Empfehlung.

 

Modern Family – Staffel 10 habe ich nur noch aus Nostalgie geschaut. Ich habe mittlerweile das Gefühl, alles schon einmal gesehen, jeden Gag schon mal gehört zu haben. Wenn etwas ganz Neues aufs Tableau gebracht wird, wirkt das fast unglaubwürdig, schließlich begleitet der Zuschauer die Figuren jetzt schon länger als zehn Jahre und kennt all ihre Geschichten und Spleens wie seine eigenen. Die Ausstrahlung der finalen 11. Staffel steht in Deutschland noch aus und ich hoffe, dass die Serie zu einem schönen Abschluss gebracht wird.

Und sonst so?

Obwohl das Leben in Dresden wieder fast normal verläuft und es nur wenige bis gar keine Covid-Neuansteckungen in den letzten Wochen gab, vermeide ich direkten Kontakt immer noch so weit wie möglich. Einkaufen, shoppen oder Essen gehen fühlen sich immer noch merkwürdig an. Wie ist das bei euch? Seid ihr auch noch im „Corona-Modus“?

Alles Gute für euch im neuen Monat!

2 Gedanken zu „Monatsrückblick Juni 2020 | Leseflaute, Systemsprenger und Sex Education

  1. „Systemsprenger“ hat mich auch bei Weitem nicht so geflasht wie offenbar viele Zuschauer da draußen. Lediglich die Szene, in der sie irgendwo im Wald die Fragen an ihre Mama hinausruft, hat mich sehr berührt, weil da mal etwas anders als der stetige Terror rausklingt.
    Ich wabere immer so um Sex Education rum, weil ich es gern wegen Gillian Anderson schauen würde. Vom Humor habe ich mir eher kindisches erwartet und deswegen bisher auch nicht eingeschalten, aber wenn du sagst, dass man das machen kann, dann werd ich das wohl mal machen. 🙂
    Ja das Leben in Coronazeiten empfinde ich auch sehr umständlich. Mich zu distanzieren und die allgemeine Distanz in der Öffentlichkeit finde ich schöner als die Enge, aber gerade einkaufen ist doch sehr nervig …
    Kunta Kinte … das ist doch der Black Panther Brother, oder?

    1. Ja, „Systemsprenger“ war meist Terror pur. Am ehesten konnte ich noch die Mitarbeiterin der Jugendhilfe nachvollziehen, die in Anbetracht der völlig unfähigen Mutter einfach einen Nervenzusammenbruch erlitten hat. Alle anderen schienen sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen zu wollen und konnten trotz der Hilfsangebote nicht aus ihrer Haut. Ich fand das Ganze ziemlich tragisch anzuschauen.

      Gillian Anderson macht in Sex Education eine wirklich gute – und SO stylische – Figur (Ich frage mich, wo sie die gutsitzenden Jumpsuits herbekommen haben…). Die Figuren in der Serie sind bis hin zu den Nebenfiguren toll besetzt und gut ausgearbeitet. Der Protagonist kommt nach einiger Zeit noch am nervigsten daher, aber darüber konnte ich wirklich gut hinwegsehen, denn die anderen Figuren und die Entwicklung der Geschichte an sich rissen das wieder raus. Ganz viele Klischees werden nicht bedient und ich empfand die Serie als insgesamt absolut stimmig. Bin schon ganz gespannt auf deine Meinung. 😉

      Oh, dass sie einen Black Panther Kunta Kinte genannt haben, hab ich gar nicht mehr in Erinnerung. Aber die Anlehnung an den Roman von Haley wäre sehr passend!

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