Leselaunen Monatsrückblick Juli 2020 | #DickeBücherCamp und eine Chinesin in Buenos Aires

Der Hochsommer hat in Dresden Einzug gehalten. Während ich tippe, warte ich ungeduldig auf den Regen.

Monatsrückblick Juli 2020

Der Innenhof des Doms zu Meißen (genau, da, wo das Porzellan herkommt) ist genauso verwunschen wie das ganze Städtchen.

Die Leselaunen sind eine Aktion von Trallafittibooks. Ich nehme am Ende jedes Monats (heute ein wenig später) teil und schreibe hier über die vergangenen Buch- und Filmwochen.

Aktuelles Buch

„Abgang ist allerwärts“ von Reinhard Kuhnert. Der Game-of-Thrones-Hörbuchsprecher erzählt angelehnt an eigene Erfahrungen unterhaltsam vom Leben im mecklenburgischen Dorf. Während mich Dörte Hansen mit ihrem zweiten Dorfroman „Mittagsstunde“ nicht mehr so recht überzeugen konnte, bin ich gespannt darauf, wie Kuhnert das Thema deutsche Wende, das bei Hansen überhaupt keine Rolle spielt, in seinem Roman verarbeitet.

Momentane Leselaune

Roots – Wurzeln“ von Alex Haley über acht Generationen seiner Familie habe ich endlich beendet. Das Buch qualifiziert sich mit über 700 Seiten sofort für das #DickeBücherCamp von Nordbreze. Alex Haley erzählt in „Roots“ die beeindruckende Geschichte seiner Familie von der Verschleppung des Stammvaters Kunta Kinte aus Afrika bis hin zu ihm selbst, einem US-Soldaten, College-Absolventen und schließlich Schriftsteller.

Haley hat sich viel künstlerische Freiheit genommen und das Buch fällt definitiv in die Kategorie Fiction. Es behandelt mit Sklaverei, Rassismus und den Auswirkungen auf die Familien Themen, die in der #BlackLivesMatter-Debatte eine große Rolle spielen. Es wundert mich, dass dieses in den 70ern unglaublich populäre Buch nicht schon lange wieder an die Oberfläche der Bestsellerlisten gespült wurde, wie es etwa Camus‘ „Die Pest“ oder Atwoods „Handmaid’s Tale“ passiert ist.

Alex Haley Roots

Nach diesem Wälzer habe ich mir das dünne und überzeugend geschriebene Büchlein „Richtig hohe Absätze“ des argentinischen Autors Federico Jeanmaire geschnappt. Im Buch muss die fünfzehnjährige Su Nuam entscheiden, wie sie den Mördern ihres Vaters in Buenos Aires begegnen will. Jeanmaire trifft mit seiner Sprache einen Nerv und ich freue mich, bald mehr über dieses Buch zu berichten. Aufmerksam geworden bin ich durch den Abriss lateinamerikanischer Literaturgeschichte von Michi Strausfeld „Gelbe Schmetterlinge und die Herren Diktatoren“.

Zitat des Monats

„Aber nichts half, die blutige Seuche breitete sich aus. Bald wand auch Kunta sich unter Schmerzen im Kopf und im Rücken, schwitzte und zitterte abwechselnd unter Fieberschauern und spürte schließlich, wie sich sein Leib verkrampfte und stinkiges, schleimiges Blut von sich gab.“

Alex Haley, Wurzeln. Roots

Wem sich dabei nicht der Magen umdreht, ist wohl hart gesotten. Leider sind die bewegenden Passagen der Verschleppung über den Atlantik ein Plagiat. Alex Haley musste dafür ordentlich an den Urheber Harold Courlander blechen.

Dieser Beitrag ist im letzten Monat online gegangen

[Leserunde] Jules Verne: 20.000 Meilen unter dem Meer (1869–1870)

Filme

Zwei Tanzfilme wobei ich gemerkt habe, dass ich zu alt für das Genre geworden bin und die Handlung mich nicht mehr packt. Warum können sich Streetdancer und Ballett-Eleven nicht von Anfang an akzeptieren? Warum ist dieser eine Auftritt alles entscheidend, wenn danach immer noch keiner ein Engagement hat, mit dem er überleben kann?

Serien

How to Sell Drugs Online (Fast) – Staffel 2 erinnert mich immer an mein Heimatdorf. Rinseln ist so typisch westfälisch (insbesondere, was die Nähe zu den Niederlanden angeht), dass es schon fast zu klischeehaft daherkommt. Ansonsten gefällt mir die Darstellung der schnelllebigen Onlinewelt und technischen Möglichkeiten. Nett zum Bingen.

Und sonst so?

Leider habe ich mir für meine Besichtigung von Meißen einen richtig verregneten Tag ausgesucht (vermutlich den einzigen in diesem Monat). Nichtsdestotrotz ist das Städtchen mit seinen steilen und verwinkelten Gassen und der über allem thronenden Albrechtsburg extrem charmant. Porzellan habe ich mir nicht gekauft (dafür ist der Geldbeutel nicht dick genug), aber verspielte Figurinen und imposante Vasen sind dort allgegenwärtig und in der Porzellan-Manufaktur zu bestaunen.

Alles Gute für euch im neuen Monat!

Vorherige Rückblicke

Monatsrückblick Juni 2020 | Leseflaute, Systemsprenger und Sex Education

Monatsrückblick Mai 2020 | Little Fires Everywhere und lateinamerikanische Literatur

Leselaunen April 2020 | Sailor Moon und Wolkenbruch

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