Madeline Miller: Das Lied des Achill (2011/2020)

Das Lied des Achill: die Ilias, erzählt als queere Liebesgeschichte. Madeline Millers Ausflug in die griechische Mythologie gelingt und macht Spaß.

Das Lied des Achill

Mit meiner Kenntnis um die Figuren der griechischen Mythologie ist es nicht allzu weit her. Ich habe kein Altgriechisch gelernt und versuche deshalb, mir die Grundlagen zu den Hauptfiguren mithilfe von Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“ anzulesen.

Vieles habe ich wieder vergessen, deshalb war ich erstaunt, wie gut die Namen von Helden, Göttern und Halbgöttern in Erinnerung bleiben, wenn sie als zeitgemäße Romanhelden daherkommen.

Die Ilias in a nutshell

Homer berichtet in seiner Ilias vom Krieg der Griechen gegen Troja. Auslöser des Trojanischen Krieges war die Entführung der Helena, der Ehefrau des Menelaos, durch Paris, den Sohn des trojanischen Königs Priamos. Die vereinten Griechen zogen unter Führung von Menelaos‘ Bruder Agamemnon gegen Troja, um sich zu rächen. Trotz zehnjähriger Belagerung gelang es ihnen nicht, die stark befestigte Stadt zu erobern. Auf Rat des Odysseus bauten die Griechen ein großes hölzernes Pferd, in dem sich die tapfersten Krieger versteckten und es gelang ihnen, die Stadt einzunehmen.

Das Lied des Achill

Bei Madeline Miller erleben einen Teil von Homers Ilias aus der Sicht von Achilles‘ Kindheitsfreund und späterem Liebhaber Patrokolos. Dieser spielt in der Ilias selbst keine größere Rolle – eine Leerstelle, die Miller gekonnt mit einer großen Liebesgeschichte füllt. Sie setzt bereits in der Kindheit der beiden Jungen an und erzählt damit eine Vorgeschichte der Belagerung Trojas.

Achill ist der Sohn des Königs Peleus und der Nymphe Thetis. Seine göttliche – und unheimliche – Mutter hat große Pläne für ihn: Achill soll der als Kriegsheld in die Geschichte eingehen. Wie er und Patroklos mit der Aussicht auf den Heldentod umgehen und sie sich dann tatsächlich bei der Belagerung Trojas schlagen, davon erzählt „Das Lied des Achill“.

Leben und Sterben für den Krieg

Madeline Miller gelingt es ausgezeichnet, die Glaubensvorstellungen und das Ehrempfinden der antiken Griechen ganz nebenbei zu erklären. Götter sind so real wie die Figuren und man wundert sich nicht, hin und wieder einem zu begegnen. Die Götter sind genauso zänkisch und noch schneller beleidigt als die einfachen Menschen und werden darum ein ums andere Mal mit Opfergaben besänftigt, die genauso gut ein hungriges Heer satt gemacht hätten. Achills Lebenstraum, als Held in die Annalen einzugehen, ist aus Sicht der anderen Figuren genauso mystische Bestimmung, ein Schicksal, dem Achill genügen und für das er seinen Preis zahlen muss.

Bedingungslose Liebe

Sehr eindrücklich beschreibt Miller Patroklos‘ Liebe zu seinem halbgöttlichen Freund Achill. Sie ist bedingungslos und aber nicht blind. Patroklos weiß um die Fehler seines Freundes, kennt dessen Hochmut und Kompromisslosigkeit. Obwohl ihn Achills Lust am Kampf und Töten abstößt, verlässt er ihn nicht. Spannend wird die Beziehung, als die junge Gefangene Brisëis zum Duo stößt und sich eine innige Freundschaft mit Patroklos, nicht aber mit Achill entspinnt. Dies alles schildert Miller feinsinnig mit viel Fingerspitzengefühl.

Fazit

Madeline Miller haucht den Figuren der alten Ilias in „Das Lied des Achill“ neues Leben ein und macht sie zu zeitgemäßen Romanhelden. Eine Empfehlung für alle, die Spaß an Mythologie, Geschichte und Liebesgeschichten haben.


Madeline Miller, Das Lied des Achill, OT: The Sonf of Achilles, 2011, aus dem Amerikanischen von Michael Windgassen, Eisele 2020, 412 S.

„Das Lied des Achill“ von Madeline Miller habe ich bei Anna vom Blog Buchstabenträumerei gewonnen und mich sehr darüber gefreut. Vielen Dank dafür!

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2 Gedanken zu „Madeline Miller: Das Lied des Achill (2011/2020)

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