[Fantasy] Uwe Eckardt: Die Saat des weißen Drachen (2017)

Die Saat des weißen DrachenUwe Eckardts „Die Saat des weißen Drachen“ war für mich ein Novum: Mein erster Fantasy-Roman von einem Self-Publisher. Das Experiment ist größtenteils geglückt.

Darum geht’s

Der junge Finn ist nach dem Tod seiner Mutter in einer Blase der Traurigkeit gefangen. Als er beim Besuch ihres Grabes angegriffen und am Kopf verletzt wird, entwickelt er plötzlich eine ungeheure mathematische Begabung und erregt als sogenannter Savant mit einer Inselbegabung das Interesse eines Neurologen, der seine Krankengeschichte in einem Fachmagazin publiziert.

Kurz darauf wird Finn gekidnappt und findet sich zusammen mit anderen besonders begabten Jugendlichen auf einer abgeschiedenen Insel eines mysteriösen Milliardärs wieder. Tagaus tagein unterzieht sie ein ominöser Wissenschaftler verschiedenen Tests, während ein anderer daran arbeitet, ein Portal in eine andere Welt zu bauen.

Es kommt, wie es kommen muss: Das Portal funktioniert. So landen die besondere Teenagergruppe, eine lebensuntüchtiger Wissenschaftler und die mit allen Wassern gewaschene Kidnapperin in der „Welt hinter dem Schleier“.

Die Welt ist der unseren auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Wären da nicht die Löwen ähnlichen Mantikoren, Trolle, Feen und Drachen. Was folgt ist eine temporeiche Abenteuergeschichte, in der die Protagonisten über sich hinauswachsen und Freundschaften fürs Leben schließen.

Kritik

Mitreißende Ideen

Uwe Eckardts „Die Saat des weißen Drachen“ ist ein absolutes Ideenfeuerwerk. Die Abenteuer haben mich sofort gepackt und nach dem ungewohnten, fast an Science-Fiction erinnernden, Einstieg  konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und erinnert an ein Jugendbuch.

Die hohe Dichte an handlungsreichen Abschnitten war ich aus den von Verlagsseite lektorierten Büchern gar nicht mehr gewohnt. Es ist angenehm, dass Eckhardt seine Geschichte nicht künstlich in die Länge zieht, um sie als Trilogie oder gar mehrbändige Reihe zu veröffentlichen. Seine Ideen aus diesen beiden Bänden hätten dabei locker noch mehr Bücher gefüllt.

Ein kurzer Abschnitt, auf den dies nicht zutrifft ist die Schilderung eines Unfalls im zweiten Band aus der Multiperspektive. Den Kniff empfand ich zwar als akzeptabel, weil tatsächlich neue Details aus der Sicht einer jeden Figur präsentiert wurden, insgesamt aber als zu ausgedehnt.

Schwache Figuren

Ein wirkliches Manko der Geschichte ist die Figurenzeichnung. Die Charaktere werden kaum ausgefüllt und bleiben bis zum Ende schablonen- und klischeehaft. Es gibt den genialen, aber lebensuntauglichen Wissenschaftler, den kampfsporterprobten Asiaten, den immer gut gelaunten schwarzen Buddy des Protagonisten und die durchtriebene, skrupellose russische Agentin. (Wer sich jetzt fragt, wie man die alle in einer Geschichte unterbringen kann – es funktioniert tatsächlich.)

Mehr Einblicke in die Gedanken und Gefühle der einzelnen Figuren, vielleicht anhand von Gesprächen mit dem Protagonisten, wie es ansatzweise bei Ken und seiner Beziehung zum Drachen gelingt, wären wünschenswert gewesen. An einigen Stellen versucht Eckardt, seinen Figuren etwas Hintergrundgeschichte mit an die Hand zu geben. Das geschieht aber insgesamt viel zu selten, sodass die Figuren komplett hinter der Geschichte verschwinden und keine Identifikations- oder Projektionsfläche für den Leser bieten.

Fazit

Ich habe „Die Saat des weißen Drachen“ sehr gemocht und fand Uwe Eckardts Erklärung für die Herkunft all unserer Mythen und Märchen kreativ und smart. Die temporeichen Abenteuer und die hohe Handlungsdichte haben mich das Buch nicht aus der Hand legen lassen. Leider wuchsen viele Figuren nicht über bloße Stereotype hinaus, sodass ich vor allem die Geschichte, nicht aber ihre Protagonisten in Erinnerung behalten werde.

Eine Empfehlung für alle, die einen unterhaltsamen, handlungsreichen, klassischen Fantasy-Roman suchen und keinen Wert auf die ganz großen Gefühle oder gar ein „Love Triangle“ legen. 😉


Mein Zick-Zack-Weg zu „Die Saat des weißen Drachen“

Obwohl ich Fantasy-Romane, -Filme und -Serien sehr mag, bin ich bei der Auswahl eher zurückhaltend. Zu oft schon bin ich auf Geschichten gestoßen, die eiskalt als „Fantasy“ vermarktet werden, nur, weil dem Love Interest plötzlich Vampirzähne wachsen (oder so ähnlich, ihr wisst, was ich meine).

Deshalb bin ich bei der Suche einmal ganz anders vorgegangen und habe nach unbekannteren AutorInnen gesucht, die aber (so mutig war ich dann doch nicht) schon viele positive Online-Bewertungen hatten. So bin ich auf den Band „Die Saat des weißen Drachen“ gestoßen, der von seinen Lesern absolut gehypet, darüber hinaus aber nicht beworben wurde.

Wie geht ihr vor? Habt ihr Tipps für die Suche nach bislang unbekannten Fantasy- und/oder Sci-Fi-Perlen?


Uwe Eckardt, Die Saat des weißen Drachen, Gesamtausgabe: Die Savanten, 2017, 620 Seiten.

Hinweis: Der Sammelband „Die Saat des weißen Drachen“ beinhaltet die beiden (meines Wissens nach nicht einzeln erhältlichen) Einzelbände „Heimkehr“ und „Die Drachenstimme“ und ist in sich abgeschlossen.

Weitere Meinungen zum Buch

Bücher wie Sterne
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Wortmagie und Zeilenzauber

2 Gedanken zu „[Fantasy] Uwe Eckardt: Die Saat des weißen Drachen (2017)

  1. Hallo Jana!
    Klingt nach einem echt gelungenen Fantasy-Abenteuer. 🙂
    Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich es mögen würde, wenn die Charaktere so „flach“ gehalten werden. Das mag ich so gar nicht.
    Ansonsten klingt das nach einem Buch das ich auch lesen würde.
    Tolle Rezension! 🙂
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Hallo Diana,
      danke für deinen Kommentar! Wenn du sehr viel Wert auf komplexe Charaktere legst, wird dir das Buch vielleicht nicht gefallen. Mir sind die Figuren auch immer sehr wichtig; hier war es ausnahmsweise aber auch mal schön, sich zurückzulehnen und eine rasante Abenteuergeschichte zu lesen, bei denen die Handlung sich selbst trägt und durch äußere Geschehnisse vorangetrieben wird (statt durch das Handeln oder die Bedenken der Figuren vorangetrieben oder ausgebremst zu werden). Dafür ist meine jetzige Lektüre „Apokalyptische Variationen“ von Antanas Škėma wieder sehr auf die Innenansichten seiner Figuren gestützt. 😉
      Viele Grüße!
      Jana

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