Louise Boije af Gennäs: Blutblume (2019)

Louise Boije af Gennäs BlutblumeLouise Boije af Gennäs, „die schwedische Thriller-Sensation nach Stieg Larsson“ – das machte mich neugierig. Der erste Teil ihrer Widerstands-Trilogie „Blutblume“ hat schon mal Wort gehalten.

Darum geht’s im ersten Teil

Das Leben der Mittzwanzigerin Sara ist auf den ersten Blick furchtbar: Erst wird sie vergewaltigt, kurz darauf verstirbt ihr Vater auf grausige Weise bei einem Brand im Ferienhaus. In ihrem kleinen Geburtsort Öresund hält sie es nicht länger aus und zieht nach Stockholm. Dort läuft es dann nach einigen Startschwierigkeiten ganz ausgezeichnet: Sara ergattert einen tollen Job bei einer Werbeagentur und zieht schon bald zu ihrer neuen Freundin Bella ins angesagteste Viertel Stockholms.

Neu eingekleidet und auf jeder Party zu Hause, kann Sara doch nicht ignorieren, dass für sie alles viel zu gut läuft. Die Merkwürdigkeiten häufen sich als sie beginnt, die alten Unterlagen ihres Vaters zu durchforsten. Der hat akribisch Informationen zu allen schwedischen Skandalen des letzten Jahrhunderts gesammelt. Was hatte er damit vor?

Figuren mit Wiedererkennungswert und eine tolle Protagonistin

Louise Boije af Gennäs erschafft mit Sara eine Protagonistin, die stark und sensibel zugleich ist. Mobbingerfahrungen und eine Vergewaltigung mit anschließender Therapie haben bei Sara einen wunden Punkt geschaffen, den sie Fremden ein ums andere Mal offenbaren muss. Auf der anderen Seite stehen ihre militärische Ausbildung und das mit Auszeichnung abgeschlossene Studium. Ihre Intelligenz und ihr Reflexionsvermögen verleihen Sara Selbstvertrauen und Stärke. Louise Boije af Gennäs gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, in der sich Stärke und Schwäche der Protagonistin die Waage halten. Sara zweifelt an sich selbst, vertraut, auch wenn sie nicht weiß, ob sie vertrauen kann, verliebt sich, bricht in Tränen aus, zieht in die Schlacht.

Der erste Band der Trilogie nimmt sich Zeit für seine Figuren. Statt dem Leser gleich einen Schocker nach dem anderen zu verpassen, entwirft Louise Boije af Gennäs das Panorama einer jungen, erfolgreichen Stockholmer Partyszene. Erst nach und nach baut die Autorin Elemente ein, die das Unbehagen beim Lesen stetig steigern und ein Thriller-Gefühl aufkommen lassen.

Der Vergleich mit Stieg Larsson

Die Romanreihe wird schon jetzt mit der bekannten Millennium-Trilogie von Stieg Larsson (Verblendung, Verdammnis, Vergebung) verglichen. Was Spannung und die Größe der aufgedeckten politischen Skandale angeht, legt Louise Boije af Gennäs im ersten Band gut vor. Ich kann mir vorstellen, dass die Trilogie einen ähnlich spektakulären Gang wie jene von Larsson nimmt. Lediglich eine Lisbeth Salander gibt es nicht. Die ist aufgrund ihrer Extreme für mich immer Romanfigur geblieben. Sara aus „Blutblume“ dagegen wirkt menschlicher, nahbarer und ihre Handlungen sind nachvollziehbarer.

Fazit

Louise Boije af Gennäs‘ „Blutblume“ beschäftigt sich mit den ganz finsteren Machenschaften der schwedischen Eliten und wartet mit einer starken, aber trotzdem nahbaren Protagonistin auf. Die Widerstands-Trilogie startet äußerst vielversprechend.


Weitere Meinungen zum Buch bei:

Die Buchbloggerin

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