Louise Boije af Gennäs: Feuerrache (2020)

Feuerrache

Im finalen Band der Widerstands-Trilogie schlägt Sara zurück und rächt sich an ihren Peinigern und den Mördern ihrer Eltern. Insgesamt ein würdiger Abschluss mit einem reichlich spektakulären Ende.

„Feuerrache“ ist der dritte Band der Widerstands-Trilogie. Zum ersten Band „Blutblume“ gelangst du hier.

Inhalt

Nach der Ermordung ihrer Mutter verkaufen Sara und ihre Schwester das Elternhaus im kleinen Örebro und ziehen in eine gemeinsame Wohnung nach Stockholm. Sara findet schnell Arbeit im Hauptquartier der schwedischen Streitkräfte und hat endlich wieder das Gefühl, einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Doch bald schon setzen sich die grausamen Attacken der mysteriösen Geheimorganisation BSV fort und Sara muss wieder um ihr eigenes Leben und die ihrer Freunde fürchten. Noch dazu verschlechtert sich das Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester, die in die Fänge der Schattenvereinigung gerät.

Sara hat das Gefühl verrückt zu werden während BSV etwas von ihr will, von dem sie beim besten Willen nichts weiß. Als sich das Geheimnis um die Organisation und die geheimnisvolle Arbeit von Saras ermordetem Vater lüftet, kommt es zu einem filmreifen Showdown am Hafen.

Mein Eindruck

Während sich der Leser im zweiten Band „Scheintod“ noch fragte, wie viel sich die Protagonistin noch gefallen lassen will (bevor sie sich ergibt oder auswandert), erlebt man im finalen Band der Trilogie eine kampfbereite Sara. Gemeinsam mit Andreas, dem befreundeten Journalisten und Sally, die sie seit der Schulzeit kennt, beschließt Sara, BSV einen Strich durch die Rechnung zu machen. Sie nimmt ihre eigenen Ermittlungen auf, um das Netz der Geheimorganisation, das fast allumfassend zu sein scheint, aufzuklären und zu zerschlagen.

Aktion und Reaktion

Dadurch, dass die Protagonistin in „Feuerrache“ selbst aktiv wird und der Leser sie nicht, wie noch im zweiten Band, in der passiven Opferrolle erlebt, nimmt die Handlung schnell Fahrt auf. Die Planungen des „Widerstandes“ um Sara verfolgt man mit Spannung, weil sie einem Muster von Aktion und Reaktion folgen. Immer geht es darum, die allmächtig erscheinende Organisation zu überlisten, um am Leben zu bleiben. Dazu knüpft die Betonung der kämpferischen und misstrauischen Seite der Protagonistin stärker an den gelungenen ersten Band „Blutblume“ an.

Viele Hände – schnelles Ende

Das Ausmaß der Verschwörung ist unglaublich und so ist es im Nachhinein etwas schade – weil stark vereinfachend – dass die Autorin Louise Boije af Gennäs alle Skandale der schwedischen Nachkriegsgeschichte in einem Abwasch aufklären will. Auch das Ende des Romanhandlung ist dann reichlich turbulent und enthält völlig neue Story-Elemente, die nur kurz gestreift und in wenigen Sätzen abgehandelt werden. Dafür sind beim finalen Showdown dann alle Figuren – auch, wenn sie während des sonstigen Handlungsverlaufs weit weg im Ausland gelebt haben – anwesend, um noch einmal kurz Erwähnung zu finden oder gleich zu sterben. Kurzum, am Ende kommt’s knüppeldick und geht etwas sehr schnell. Saras persönliche Geschichte findet hingegen einen glaubwürdigen, fast versöhnlichen Abschluss.

Politik mit popkulturellen Anklängen

Gut gefallen hat mir, dass dieser dritte Band noch politischer ist als seine Vorgänger und Fragen der aktuellen schwedischen Sicherheitspolitik, Gleichberechtigung und globaler Güterverteilung aufwirft.

 

„Hier in Schweden waren wir inzwischen eingeklemmt zwischen einem chauvinistischen Russen auf der einen Seite und einem ebenso chauvinistischen Amerikaner auf der anderen Seite, denen beiden grundlegendes Verständnis für Menschenrechte fehlte.“

S. 397

Bemerkenswert ist, wie beiläufig Louise Boije af Gennäs politische Themen in die Gespräche der Mittzwanziger einfließen lässt. Viele Passagen sind eine bunte Mischung aus der Bewertung tagesaktueller politischer Ereignisse, popkulturellen Anspielungen und freundschaftlichem Gefrotzel. Geopolitik auf dieser Ebene zu diskutieren erschien anfangs befremdlich, bis mir auffiel, wie realitätsnah die Darstellung der Autorin ist. Genauso oder ähnlich reden meine Freunde und ich über Politik. Wir referieren in der Bar ja auch keine geostrategischen Papiere, sondern bewerten und witzeln über verschiedene vordergründig ernste Themen. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Dialoge der Figuren gelungen.

Fazit

„Feuerrache“ ist ein würdiger Abschluss der Widerstandstrilogie, bei dem die Autorin noch politischer wird als in vorigen Bänden und am Ende zwar ganz schön dick aufträgt, dafür aber auch keine Fragen offenlässt.


Louise Boije af Gennäs, Feurrache, OT: Verkanseld, 2019, aus dem Schwedischen von Ricarda Essrich, Europa Verlag 2020, 628 S., 18€.

 

Alle Bände der Widerstands-Trilogie:

Band 1: Blutblume
Band 2: Scheintod
Band 3: Feuerrache

Weitere Meinungen zur Widerstands-Trilogie

die Buchbloggerin

 

 

 

 

 

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