Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel (1881/82)

Die Schatzinsel ist eine weltbekannte und kurzweilige Abenteuergeschichte um den jungen Jim Hawkins und den Piraten Long John Silver.

 Die Schatzinsel

Von Piraten umzingelt

Als ein raubeiniger Seemann in die Gaststätte der Familie stolpert, ahnt der junge Jim Hawkins nicht, dass ihm das größte Abenteuer seines Lebens bevorsteht. Der alte Seemann ist auf der Flucht vor seiner ehemaligen Crew, die ihm ans Leder will- Vor allem ist sie aber auf seine Schatzkarte aus. Als die Piraten die Gaststätte stürmen, ist die Karte bereits in Jims Händen. Gemeinsam mit einem Arzt und einem Friedensrichter macht er sich auf, die Insel zu finden.
Doch der Friedensrichter hatte beim Anheuern der Crew kein gutes Händchen. Sie besteht fast ausschließlich aus Piraten – allen voran der verschlagene Long John Silver. Jim muss sich was einfallen lassen, um seinen Freuden die Haut zu retten – und den Schatz sicher nach Hause zu bringen.

Mein Eindruck: spannend und kurzweilig

Die knapp zweihundert Seiten der Geschichte lasen sich wie im Flug. Das Abenteuer eines Jungen, der plötzlich in eine Bande von Spießgesellen gerät und diese durch seine Geistesgegenwart ein ums andere Mal austricksen kann, hat Spaß gemacht. Schön war insbesondere, dass auch Momente der Angst – „Mein Herz flatterte in meiner Brust wie ein gefangener Vogel“ – immer wieder thematisiert wurden. Auch vor den vermeintlichen Autoritätspersonen wie dem Käpt‘n und dem Doktor macht sie nicht Halt und der junge Jim war ein ums andere Mal auf sich allein gestellt.

Ein zeitloses Abenteuer

Obwohl seit dem ersten Abdruck 1881/82 schon viel Zeit vergangen ist, las sich die Geschichte – zumindest in meiner deutschen Übersetzung –ungewohnt flüssig. Durch die auch heute noch gängigen Aufbauelemente von sich ankündigendem Unheil, Konfrontation, Überraschung und Katz-und-Maus-Spiel liest sich „Die Schatzinsel“ als modernes Abenteuerbuch. Lediglich die vielen Begriffe aus der Seefahrt machten mir zu schaffen. Als völlige Laiin konnte ich nur raten, wo auf dem Schiff gerade was passiert – die Ortsangaben blieben für mich Landratte böhmische Dörfer.

Schluss mit Inselromantik

Die Handlung ist durch die zahlreichen Verfilmungen ja sehr bekannt und war mir deshalb dunkel in Erinnerung. Deshalb merkte ich bei dem Namen „Long John Silver“ auch auf, hatte ich den doch klar unter „Schurke“ abgespeichert. Wie sich bald herausstellte, auch zu recht. Was mir allerdings nicht mehr vor Augen stand, war, wie wenig Zeit tatsächlich auf die Schatzsuche verwendet wird. Die wird beiläufig in zwei Kapiteln abgehandelt. Vielmehr bildet ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Piraten und Jims Freunden (oder Jim allein) den Schwerpunkt der Geschichte. Dabei räumt Stevenson auch ein wenig mit Südseeromantik auf: Es gibt Sümpfe, die „nach Ruhr und Fieber“ stinken, gefährliche Schlangen und insgesamt ziemlich wenig Essbares.

Stevenson auf Samoa

Der Autor R. L. Stevenson (1850-1894) kannte sich mit dem Inselleben aus. Trotz verschiedener Krankheiten reiste der schottische Schriftsteller auf oftmals beschwerlichen Wegen um die Welt und ließ sich mit seiner Familie schließlich 1890 auf Samoa nieder. Dort erwarb er eine Plantage, mischte in der Politik der Häuptlinge mit und schließlich nur 44-jährig an Tuberkulose. Über eine Reise nach Samoa um 1900 und das beschwerliche Leben dort schreibt auch der französische Literat und Bekannte Stevensons, Marcel Schwob in „Manapouri“.

Fazit

„Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson ist eine im Aufbau überraschend moderne, kurzweilige Abenteuergeschichte mit pfiffigen Charakteren.

Robert Louis Stevenson, Die Schatzinsel (OT: Treasure Island), 1881/1882 ist Teil meiner Klassiker-Leseliste.


Mehr Abenteuer?

Marcel Schwob: Manapouri
Jonathan Swift: Gullivers Reisen
Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer

2 Gedanken zu „Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel (1881/82)

  1. Hallo Jana!
    Sehr cool, wir haben fast dieselbe Meinung zu Die Schatzinsel. 😀
    Ich kann deine Rezension nur so unterschreiben und finde sie sehr gut geschrieben.
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Hallo Diana,
      vielen Dank für deinen netten Kommentar. Ich bin immer noch begeistert davon, wie wir zielsicher dieselben Klassiker ausgesucht haben. Ich stöbere auch mal weiter durch deine Besprechungen. 🙂
      Viele Grüße
      Jana

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