Autorinnenschuber: Zehn tolle Bücher von Frauen

Unter dem Titel „Soulmates“ hat die Redaktion der Süddeutschen Zeitung zehn Romane der Weltliteratur ausgewählt und im Schuber herausgebracht. Das Thema: wie Männer über Männer schreiben. Der Gegenvorschlag: ein Autorinnenschuber mit zehn lesenswerten Büchern toller Schriftstellerinnen.

Darum geht’s

Die Süddeutsche Zeitung wirbt auf ihrer Online-Seite:

Es handelt sich also um Literatur von Männern, die zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten und unter ganz unterschiedlichen Bedingungen wenn nicht an sehr düsteren, dann doch an gebrochenen Männerbildern gearbeitet haben.

Quelle

Die Literaturwissenschaftlerin Nicole Seifert (@nachtundtagblog, Nacht und Tag Literaturblog) regt an, einen #Autorinnenschuber zusammenzustellen – und wird mit Vorschlägen begeisterter LeserInnen überhäuft. In diesem Beitrag zieht sie eine erste Bilanz und zeigt auf, welche Autorinnen besonders oft genannt werden.

Hier mein persönlicher Vorschlag für einen Autorinnenschuber:

Autorinnenschuber


Margaret Atwood: Report der Magd

Maya Angelou: Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt

Harper Lee: Wer die Nachtigall stört

Dalia Grinkevičiūtė: Aber der Himmel – grandios

Julie Otsuka: Als der Gott ein Kaiser war

Alice Walker: Die Farbe Lila

Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen

Deborah Feldman: Unorthodox

Karin Boye: Kallocain

Tara Westover: Befreit


Die Bücher habe ich in der letzten Zeit gelesen. Mit Freude habe ich festgestellt, dass die Aktion #WirLesenFrauen (hier geht’s zur Aktionsseite) dazu beigetragen hat, dass mein Bücherregal bunter geworden ist. Es finden sich unterschiedliche Nationalitäten, Women of Color und verschiedene sexuelle Orientierungen.

Alte weiße Männer?

In ihrem Beitrag wirft Nicole Seifert die naheliegende Frage auf, inwieweit die Veröffentlichung eines Männer-Schubers auf die allgegenwärtige Diskussion um alte weiße Männer reagiert. Tut die Veröffentlichung eines Männerschubers not, wo langsam ins Bewusstsein rückt, dass Autorinnen im Kanon der Weltliteratur bislang keine Beachtung finden? Ist der Schuber irgendeine Art von Rechtfertigung, indem er versucht, die Vielfalt der von Männern (über Männer) verfasste Literatur abzubilden? Fast jede/r von uns liest doch sowieso überwiegend von Männern verfasste Literatur.

Ein Gegenentwurf bleibt notwendig

Es stellt sich die Frage, warum (immer noch) nicht die Geschichten selbst im Vordergrund stehen. Prägende Dystopien wie Der Report der Magd oder das weniger bekannte Kallocain (1940) sind es ebenso wert, beworben und gelesen zu werden. Oder etwa die bewegende Lebensgeschichte Deborah Feldmans (2016) oder das einen Einblick in die fanatische Prepper-Szene gebende Befreit (2018) von Tara Westover.

Das Geschlecht des Schreibenden sollte egal sein, wenn er/sie die Geschichte fesselnd erzählt. So lange aber grandiose Werke von Autorinnen unbeachtet bleiben, weil die Verfasserin weiblich ist, halte ich einen #Autorinnenschuber für eine wunderbare, zeitgemäße Idee. Vielleicht versteht jemand die Aktion als Anregung. Es wäre wünschenswert.


Was haltet ihr von der Aktion #Autorinnenschuber? Welche sind eure Lieblingsschriftstellerinnen?

Ein Gedanke zu „Autorinnenschuber: Zehn tolle Bücher von Frauen

  1. Danke für die Zusammenfassung des ganzen Warums. Mir ist der Autorinnenschuber das erste Mal auf Instagram begegnet und ich fand es gut und habe schon geahnt, dass es eine Gegenreaktion zu etwas ist, hatte aber nicht wirklich die Zeit mich mit irgendwas zu beschäftigen außer Arbeit, Arbeit, Arbeit, bisschen Blog und Weihnachten und so ging das ziemlich an mir vorbei. Aber wenn ich das so lesen, bekomme ich Lust mir auch noch einen Autorinnenschuber auszudenken, da ich auch seit einer Weile darauf achte, wessen Buch ich da lese.
    Warum es den Schuber überhaupt gibt … ich kann es mir nicht vorstellen. Ist nicht die ganze Welt an manchen Tagen ein Autorenschuber?

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