Literaturverfilmung: Little Women (2019) Little Women Special 2/3

Greta Gerwigs „Little Women“-Film mit u. a. Saoirse Ronan und Emma Watson ist eine der wenigen Adaptionen, die ihre Buchvorlage bei Weitem übertrifft.

Little Women Film

Als ich Mitte letzten Jahres gehört habe, dass eine Neuverfilmung des „Little Women“-Stoffes der Autorin Louisa May Alcott ansteht, habe ich mir prompt die Gesamtausgabe des Werkes zugelegt. Und mich dann zugegebenermaßen furchtbar durch den ersten Teil quälen müssen. Als zu langsam, zu moralisierend, zu handlungsarm empfand ich das Buch (hier geht`s zur Besprechung). Das versetzte meiner Vorfreude auf die Verfilmung schon mal einen Dämpfer. Umso überraschter war ich dann, auf der Leinwand eine quirlige Familie in farbenfrohen Kleidern zu sehen.

Handlung – ein Glück!

Dass man einem heutigen Publikum nicht einfach 1:1 die Verfilmung des ersten Romans präsentieren kann, war den Filmemachern wohl auch klar. Es erweist sich deshalb als schlauer Kniff, die Handlungen der ersten beiden „Little Women“-Bücher durch vor und Rückblenden zu kombinieren und dadurch wenigstens ein bisschen Spannung zu erzeugen. Dass die Hauptfrage immer noch ist, wer wen heiratet, lass ich mal außen vor. Damit rechnet man wohl, wenn man sich den Film anschaut. 😊Somit bot der Film zwar einige Spoiler bzgl. des zweiten Buches, aber das werde ich nach dem unerfreulichen Erlebnis mit dem ersten sowieso erstmal länger nicht in die Hand nehmen.

Farbenfroh und quirlig

Anders als in den Büchern reden die Mädchen in Film wild durcheinander, alles ist schneller, bunter und – das hat mir am besten gefallen – die Mutter Marmee ist nicht so eine furchtbar eindimensionale Figur, sondern erscheint durch Lauren Derns Spiel menschlich. Sehr positiv überrascht hat mich Florence Pugh in der Rolle der Amy. Sie hat die kindische, leicht quengelige Figur der Bücher zu einer (zugegebenermaßen sehr erwachsen wirkenden) stolzen Dame gemacht, die in einer bemerkenswerten Szene die finanzielle Abhängigkeit der Frauen Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Punkt bringt.

Feminismus light

Der „Little Women“-Film hat hier und da deutliche feministische Anklänge, die den Büchern zwar nachgesagt werden, dort aber derart dezent sind, dass sich ein Vergleich zwischen Buch und Film fast verbietet. Die finanzielle Abhängigkeit der Frauen jener Zeit und ihre beschränkten Möglichkeiten, selbst erwerbstätig zu sein, werden im Film thematisiert. Ebenso das schablonenhafte Leben, das sowohl Realität als auch die Buchwelten für die Frauen jener Zeit vorsehen. Insgesamt steht aber doch meist das Gute-Laune-Element im Vordergrund; passend in Szene gesetzt durch die fantastischen Kostüme. Mit den feministischen Aspekten des Films setzt sich Sabine in einem Artikel auf dem Blog Ant1heldin auseinander.

Fazit

Die gelungene Verfilmung des „Little Women“-Stoffs konnte mich in Nachhinein ein wenig mit der Geschichte versöhnen. Die Freude – insbesondere der Schauspielerinnen – am Dreh sprang über und die Kostüme waren ein Fest für die Augen. Wie viel mehr noch in der „Little Women“-Geschichte steckt, hat mir aber erst Geraldine Brooks Roman „Auf freiem Feld“ (OT: „March“) in phänomenaler Weise gezeigt. Dazu in Kürze mehr.


Alle Artikel der Reihe:

Louisa May Alcott: Little Women (1868) Little Women Special 1/3
Literaturverfilmung: Little Women (2019) Little Women Special 2/3
Geraldine Brooks: March (2005) Little Women Special 3/3

 

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